@Verali

Vera Linß, Moderatorin und Journalistin

26. März 2016
von Vera Linß
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“Mitten in Deutschland: NSU”

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Am 30.03.2016 startet die ARD eine Spielfilm-Trilogie, in der die NSU-Mordserie filmisch aufbereitet wird. Die drei Teile werden je aus der Perspektive der Täter, der Opfer und der Ermittler erzählt. Eine Dokumentation, die noch im Entstehen ist, bildet den Abschluss des Themenschwerpunkts. Welche Akzente setzen die Filme? Können sie neue Erkenntnisse zu den Morden und den Ermittlungen bringen? Wie ist die filmische Qualität?

Was: Studiogespräch mit O-Tönen über die Spielfilmtrilogie “Mitten in Deutschland: NSU”
Wer:
* Vera Linß, Medienjournalistin
* Jörg Wagner, Medienjournalist
Wann: 26.03.2016, 18:22 Uhr
Wo: Potsdam-Babelsberg, Medienstadt, Senderegie radioeins

“Die Filme werden wehtun!”

Was: Telefoninterview zum Teil 3 “Die Ermittler – Nur für den Dienstgebrauch”
Wer:
* Florian Cossen, Regisseur, Teil 3
* Vera Linß, Medienjournalistin
Wann: 24.03.2016

Vgl.: “Mitten in Deutschland: NSU” | Das Erste, ARD

(Fotos: © SWR/Stephan Rabold; BR/Wiedemann & BergTelevision GmbH)

22. Oktober 2015
von Vera Linß
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Digital News Initiative – Freuen auf Bewerbungen

Vera Linß - Madhav Chinnappa; © Jörg Wagner

Vera Linß – Madhav Chinnappa

„Mit der Digital News Initiative versuchen wir, unseren Beitrag in diesem Informations -Ökosystem zu leisten und mit der News-Industrie zusammenzuarbeiten. Egal ob es dabei um Produktentwicklung, Weiterbildung, Forschung oder Innovation geht.“

Wer:
* Madhav Chinnappa, Google, Head of Strategic Relations, News & Publishers, EMEA
* Vera Linß, Medienjournalistin
Was: Interview zum aktuellen Stand der Google Digital News Initiative (DNI)
Wann: 22.10.2015
Wo: München, Internationales Congress Center München

Vgl.: Digital News Initiative

(Foto: © Jörg Wagner)

15. Oktober 2015
von Vera Linß
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Warum dieser Fake?

Buchbesprechung: Sascha Lobo - Volker Weidermann

Gefakte Buchbesprechung: Sascha Lobo – Volker Weidermann

“Keiner hat einen Plan, was wirklich passiert bei dem Sturz in die digitale Realität”

Wer:
* Sascha Lobo, Publizist, Interneterklärer
* Vera Linß, Medienjournalistin
Was: Interview zu Sascha Lobos Rezension des Internetromans „Cybris“, den es nicht gibt, im Literaturspiegel vom 26.09.2015
Wann: rec.: 15.10.2015
Wo: Frankfurter Buchmesse, Frankfurt/Main

Vgl.: Spiegel-Online-Video

(Screenshot: Spiegelonline)

8. Juli 2015
von Vera Linß
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Dem neoliberalen Zeitgeist erlegen

Nikos Chilas

Nikos Chilas

Wer:
* Nikos Chilas, Journalist, seit 1992 als Korrespondent in Deutschland, aktuell für die Wochenzeitung „To Vima“
* Vera Linß, Medienjournalistin
Was: Interview zur Berichterstattung deutscher Medien über Griechenland
Wann: rec.: 08.07.2015, 15:15 Uhr
Wo: Berlin, Gebäude der Bundespressekonferenz

Die deutschen Massenmedien zeichnen sich durch Professionalität und guten Stil aus. Aber darüber hinaus, was die griechische Berichterstattung betrifft, ich finde, das ist zum großen Teil katastrophal. Ich sag Ihnen auch gleich, warum. Ich finde, dass die deutschen Medien dem neoliberalen Zeitgeist erlegen sind. Dadurch kommt es zu ziemlich großen Verzerrungen bei der Berichterstattung. Ich möchte nicht die Kollegen schlecht reden, sie sind die absoluten Profis. Es gibt den berühmten Verblendungszusammenhang von Adorno. Man geht sehenden Auges wohin und man sieht das, was man vor sich hat, nicht. Man sieht nicht, dass Deutschland und die anderen Gläubigerstaaten ein bereits ruiniertes Land doppelt ruiniert haben. Und sie gehen immer vom Standpunkt der Rhetorik und der Politik der Regierung aus. Dabei sind es – die Kollegen meine ich – ganz kritische Leute in jeder anderen Hinsicht. Aber in diesem einen Punkt finde ich, dass sie versagen.

Wie erklären Sie sich dieses Versagen?
Das habe ich Ihnen bereits erklärt. Das ist einerseits diese politische Blindheit, die eben zu diesem Verschauen führt. Ansonsten ist das nicht zu erklären. An guten Vorsätzen und analytischer Begabung, an Talent etc. fehlt es nicht.

Was müsste anders laufen?
Was die Journalisten betrifft – zunächst einmal einmal mit klarem Blick schauen. Nicht mit dem Vorurteil, mit dem man an die Sache geht. Das zweite wäre auch sehr wichtig – nach Griechenland fahren. Aber, wie gesagt, mit einem offenen Blick. Und mit den Leuten dort diskutieren, die vor Ort alles erleben. Ich erzähle Ihnen eine kurze Geschichte dazu: Die Leute vom IWF, die sind auch nach Griechenland gekommen, um Griechenland „zu retten“. Und sie betreiben dieses Rettungswerk seit fünf Jahren. Nur, sie haben dort keine originäre Untersuchung vorgenommen. Sie haben nicht die griechische Wirtschaft analysiert, sondern sie sind mit ein paar Rezepten im Koffer ins Land gekommen und sie haben sie gleich angewandt. Das sind die berühmt-berüchtigten Rezepte des IWF. Und das Ergebnis sehen wir jetzt: Griechenland ist ein total ruiniertes Land. So meine ich, sollte man nicht nach Griechenland gehen, mit fertigen Bildern und Rezepturen im Kopf. Sondern die Mühe machen, sich zu erkundigen und selbst zu analysieren.

„Es ist eine richtige Hetze“

Und das wurde auch nicht kritisch reflektiert von den deutschen Journalisten?
Das kann man nicht so pauschal sagen. Es gibt schon mehrere Journalisten und es gibt auch viele Medien, die das unternehmen. Es gibt auch wahnsinnig gute Analytiker und Wissenschaftler, die das richtig untersuchen. Aber ich meine, dass die Haupttendenz eine ist, die eben zu dieser Verblendung führt. Und es betrifft insbesondere die Medien. Die Medien sind, was die Rhetorik betrifft, viel schärfer in den negativen Urteilen zu Griechenland, als die Politiker. Es ist unglaublich. Das ist eine richtige Hetze und das betrifft nicht nur die BILD-Zeitung, sondern auch ganz seriöse Blätter. Zum Beispiel das Handelsblatt ist jetzt, seitdem es die Tsipras-Regierung gibt, das seriöse Gegenstück zu der BILD-Zeitung. Es ist eine Zeitung der Hetze. Und in einem bestimmten Ausmaß betrifft auch andere Blätter. Aber insgesamt, was die seriöse Presse anbelangt, die haben ein Narrativ, das diffamierend ist für die neue Regierung. Sie schauen nicht hin, was getan wird und sie hören nicht, was gesagt wird. Sowohl was die Programmatik dieser Regierung anbelangt, als auch was sie wirklich tut. Zum Beispiel eine Reihe von Gesetzen, die zur Humanisierung der Situation in Griechenland beitragen. Oder zur Demokratisierung in Griechenland beiträgt. Zum Beispiel in den Schulen. Sie haben Demokratie in die Schulen und die Universitäten hinein gebracht. Es gibt Dutzende von Gesetzen, die überhaupt nicht erwähnt werden in der deutschen Presse. Und von daher meine ich, dass die nur auf Tsipras prügeln, ohne wirklich seine Taten und seine Programmatik richtig zu würdigen.

„Ein unwürdiger Zustand“

Gibt es Schlagzeilen, die Sie vor Augen haben, wo Sie sagen: Das ist ein typisches Beispiel?
Na, ich hab sie schon im Kopf. Aber es geht nicht darum. Es ist so die allgemeine Tendenz, die ist ihnen auch nicht richtig gerecht. Das ist auch für sie ein unwürdiger Zustand, finde ich. Was die griechischen Medien betrifft, ich finde nicht, dass sie sehr kritisch sind. Das Gros der griechischen Medien ist auch von dieser Verblendung befallen. Ich würde sagen, dass etwa achtzig Prozent der griechischen Medien sich gegen die Regierung stellen, aber mit Argumenten, die unter jedem Niveau sind. Es ist eine Argumentation, die sehr beschränkt ist, die keine Möglichkeit hat, sich zu entwickeln. Das ist immer so das Darauf-Prügeln auf die Regierung mit allen möglichen Finten und Sachen, die oft nur im Bereich des Gerüchts Bestand haben und sonst nicht. Ihre politische Position ist nicht so richtig ausgegoren. Ich wollte noch hinzufügen, dass in diesen von mir kritisierten achtzig Prozent gibt es auch dort wunderbare Kollegen und Kolleginnen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die griechische Presse im großen Teil von Privatmächten, von Konglomeraten besessen ist und insofern ist auch nicht viel mehr zu erwarten von ihr.

Wie geht es weiter?
Was die Presse anbelangt? Allein schon der Umstand, dass es zwanzig Prozent gibt, die der Aufklärung gewidmet sind, und versuchen, die richtigen Informationen auf den Markt zu bringen, das ist schon nicht bloß sein Hoffnungsschimmer, sondern eine große Hoffnung. Die erreichen auch viel.

(Foto: © Vera Linß)

29. April 2015
von Vera Linß
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„Kein Deal, der dazu führt, dass die Redaktion netter ist zu Google.“

Jochen Wegner @ zeitonline

Jochen Wegner


150 Millionen Euro will Google in eine Kooperation mit europäischen Medien investieren. Aus Deutschland sind die Zeit und die FAZ mit dabei. Der Digital News Initiative (DNI) gehören außerdem an: die britischen Zeitungen Financial Times und The Guardian, die französische Finanzzeitung Les Echos, La Stampa aus Italien, El País aus Spanien sowie die niederländische Mediengruppe NRC Media

“Ich glaube schon, dass bei Google ein Denkprozess schon seit Jahren in Gang gesetzt ist. Natürlich wird ein Teil des Kalküls sein: Können wir nicht auch mal was Positives machen?”

“Die Idee finde ich grundsätzlich gut, dass ein großes Unternehmen mit so dicken Taschen wie Google sagt: Wir wollen in Journalismus investieren.”

Wer:
* Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online
* Vera Linß, Medienjournalistin
Was: Interview zur Google-Kooperation mit acht europäischen Verlagen
Wann: rec.: 29.04.2015, 13:30 Uhr
Wo: Berlin

(Foto: © zeitonline)

20. April 2015
von Vera Linß
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„Völlig neue Form von journalistischem Ökosystem“

politico_keese

Wer:
* Christoph Keese, Executive Vice President der Axel Springer SE
* Vera Linß, Medienjournalistin
Was: Interview zum Start von “POLITICO Europe” am 21.04.2015
Wann: rec.: 23.03.2015
Wo: Berlin

Was erwartet den User bei POLITICO Europe?
Den Leser erwartet eine europäische Ausgabe des in den USA sehr erfolgreichen journalistischen Konzeptes POLITICO. Was ist POLITICO? POLITICO ist vor acht Jahren gegründet worden als Konkurrenz zur wichtigsten Zeitung in Washington, der Washington Post, von zwei ehemaligen Journalisten der Washington Post, dem White House Correspondent und dem Ressortleiter Innenpolitik. Die beiden haben sich gedacht, dass die Stadt eine völlig andere Form von Journalismus braucht und sind am Anfang mit viel Fragezeichen zunächst belächelt worden. Dann aber haben sie innerhalb weniger Jahre gezeigt, dass sie nicht nur eine andere Form des Journalismus finden, sondern diese Form auch auf starke Nachfrage stößt. Sie haben´s innerhalb weniger Jahre geschafft, die führende und wichtigste Publikation in Washington zu werden. Viele in Washington sagen, dass sie inzwischen viel wichtiger sind, als die Washington Post. Sie sind sehr schnell profitabel gewordne und sie haben ein völlig neues Geschäftsmodell entwickelt, das eben auch profitabel ist und im Internet spielt. Wir haben’s hier nicht nur mit einer glänzenden neuen Form von Qualitätsjournalismus zu tun, sondern eben auch mit einer sich lohnenden Forme des digitalen Qualitätsjournalismus. Also eigentlich ist da ein Stück weit eine Formel gefunden worden, für das, was allerorten gesucht wird, nämlich die Möglichkeit, ausgezeichneten Journalismus zu finanzieren, die das Internet bietet.

Wie läuft die Finanzierung?
POLITICO besteht aus mehreren Produkten. Das eine ist eine parlamentstäglich erscheinende Zeitung. Die gibt es dort kostenlos. Die wird finanziert durch Anzeigen, also ein relativ traditionelles Modell, das aber nicht den wichtigsten Teil des Umsatzes darstellt. Der wichtige Teil des Umsatzes ist die Webseite. Und die besteht aus zwei Teilen, einem offenen Teil, werbefinanziert, auf den jeder drauf gehen kann, wo aber nur ein Bruchteil dessen steht, was die journalistisch produzieren. Der wichtige Teil und hier liegt die Innovation, ist die Berichterstattung über bestimmte Themengebiete, so genannte verticals. Insgesamt 13 verticals bereiten die. Z.B. zum Thema Energiewirtschaft, Gesundheitswirtschaft , IT-Technology oder Kartellrecht. Und bei diesen Themengebieten beschäftigt POLITICO dramatisch mehr Journalisten als die Konkurrenz. Beispiel: Obamacare, die große Gesundheitsreform der USA wird von den traditionellen Medien Washington Post, New York Times mit ungefähr ein bis zwei Redakteuren begleitet. Regionalzeitungen haben viel weniger Leute dafür. Das ist, was sich die großen Zeitungen leisten können. POLITICO deckt dieses Themengebiet Obamacare mit 12 oder 13 Leuten ab, es ist also ein enormer Aufwand, der da getrieben wird. Dafür aber erfahren die Profis, die es benötigen, alles, was sie für ihre Arbeit brauchen und bezahlen dafür einen exorbitant hohen Abopreis. 7500 $ pro Jahr. Traditionelle Zeitungen kosten im Abo ca. 600 $ pro Jahr, die nehmen den mehr als zehnfachen Preis. Dieser Preis wirkt auf den ersten Blick absurd hoch, ist aber aus Sicht derjenigen, die ihn zahlen, eigentlich niedrig, weil sie dadurch in den Genuss von Informationen kommen, die sie ganz dringend brauchen, aber sich auf anderem Wege nicht zusammenstellen könnten.

Das heißt, es ist Qualitätsjournalismus für eine Elite?
Das könnte man so sagen. Wer ist diese Elite? Wenn man mit den beiden Gründern spricht, dann sagen die immer, dass sie als ZG vor ihrem inneren Auge nicht die breite Öffentlichkeit stehen haben, sondern eigentlich nur zwei Personen. Den Stabschef des Weißen Hauses, Chief of staff, und der andere ist der Mehrheitsführer auf dem Kongress. Diese beiden arbeiten ungefähr 3 km auseinander. Das ist der Abstand zwischen dem Capital Hill und dem Weißen Haus. Und die müssen natürlich von einander wissen, was sie an dem jeweiligen Tag machen. Sie wissen´s aber nicht und deswegen liefert ihnen POLITICO die Informationen aus dem jeweiligen gegenteiligen Lager. Diese beiden müssen erreicht werden. Das journalistische Ziel besteht darin, unverzichtbar zu werden für den Stabschef des Weißen Hauses und für den Mehrheitsführer im Kongress. Wenn das gelingt, und es gelingt ihnen jetzt fortgesetzt in acht Jahren, dann lesen das natürlich nicht nur diese beiden, sondern es lesen auch alle anderen, weil alle anderen auch wissen müssen, was der Stabschef des Weißen Hauses und der Mehrheitsführer im Kongress liest. Das bedeutet aber auch journalistisch, dass man ganz tief in die Details gehen muss. Ich will das an einem Beispiel illustrieren. Im traditionellen Journalismus redet man im Parlament eigentlich nur mit den wichtigsten Fraktionsführern und Ausschussvorsitzenden. Alle anderen gelten als Hinterbänkler. Im POLITICO-Journalismus gibt es keine Hinterbänkler. Weil, jeder sitzt in irgendeinem Ausschuss, jeder hat irgendeine Stimme und jede Stimme ist wichtig. POLITICO nimmt alle, die im Parlament sitzen, ungeheuer ernst, redet mit jedem, zitiert jeden, der etwas zu sagen hat und schafft damit natürlich auch ein Publikationsorgan für jeden, der etwas sagen möchte. POLITICO Ist damit auch ganz schnell zum Medium der Wahl für all diejenigen geworden, die eine Information rüberbringen wollen. Es hat sich also eine völlig neue Form von journalistischem Ökosystem hier gebildet. Das ist die Innovation. Und die bringen wir jetzt gemeinsam mit POLITICO in einem Joint Venture nach Europa.

Wer sind denn die beiden Zielpersonen in Brüssel?
Da haben wir natürlich lange drüber nachgedacht. Und natürlich gibt es diese zwei oder drei Personen auch, bloß in Europa kommt hinzu, dass die sehr weit auseinander sitzen. Ich will mal fünf oder sechs Leute nennen. Das eine ist der Präsident der EU-Kommission Juncker, das andere der Präsident des Europäischen Rats Donald Tusk. Aber dann natürlich der französische Präsident und die deutsche Bundeskanzlerin. Zwischen diesen Personen liegen 700 km Abstand. Frau Merkel ist natürlich immens wichtig, aber sitzt über eine Flugstunde entfernt von Brüssel. Es gibt wenig informelle Kommunikation zwischen den Städten Berlin und Brüssel. Gleichwohl ist es in Brüssel von höchstem Interesse zu wissen, wie die Kanzlerin denkt und umgekehrt möchte man in Berlin genau wissen, wie Herr Juncker denkt. D.h, die geographische Komplexität durch größere Abstände macht es journalistisch umso interessanter, weil der Bedarf umso größer ist, diese Abstände zu überbrücken. Da sehen wir unsere Chance.

Wie hat man sich poltiico europe vorzustellen? Welche Themengebiete gibt es? 1:1-Übernahem und wer wird es beackern?
Es gibt eine ausgezeichnet aufgestellte Redaktion, die übrigens die größte Redaktion in Brüssel sein wird. Wir werden 40 – 50 Journalisten in der Redaktion beschäftigen. Die Financial Times hat vier Leute in Brüssel. FAZ, Süddeutsche, Welt haben in Brüssel zwei Korrespondenten. Da sieht man schon, dass die Manpower wesentlich stärker ausgeprägt sein wird. POLITICO beschäftigt auch Korrespondenten in den europäischen Hauptstädten. Es erscheint einmal in der Woche auf Papier, immer donnerstags. Ansonsten aber durchgehend auf der Webseite mit einem offenen Teil und einem Teil mit Abos. Wir wählen den gleichen Weg eines Startups, den damals POLITICO gewählt hat. Wir bilden uns nicht ein, dass das Modell des amerikanischen POLITICO vollständig übertragbar wäre auf Deutschland, sondern wir starten ziemlich genau mit der gleichen Größe in der Redaktion, mit der damals die Amerikaner gestartet sind. Die sind mittlerweile viel viel größer, die haben über 200 Leute in der Redaktion. Und wir fangen mit drei verticals an, weil wir natürlich rausfinden möchten, welche sind die drei richtigen Themengebiete. Da setzen wir auf das Prinzip Versuch und Irrtum. Wir wissen das auch nicht, wir lassen den Markt entscheiden.

Was werden die drei Themen sein?
Das definieren wir gerade noch. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird die Gesundheitswirtschaft dabei sein, Energiewirtschaft und Informationstechnologie – das definieren wir aber noch.

Was kostet das?
Man muss dazu sagen, dass wir nicht ganz im luftleeren Raum starten. Sondern wir haben uns in unserem Joint Venture zwischen Springer und POLITICO dafür entschieden, die führende Publikation, die sowas ähnliches gemacht hat, zu kaufen. Die heißt „European Voice“. Die gehörte vorher zum Economist. Und ist vom Economist an unabhängige Unternehmer verkauft worden vor etwa 1½ Jahren. Die haben wir jetzt übernommen und die wird aufgehen in POLITICO. Sie wird umbenannt. Die Redaktion, die dort war, wird übernommen. Das Produkt heißt am Ende POLITICO, aber es basiert auf European Voice, was eine Menge Sinn macht. Da gibt´s schon Abonennten, Emaillisten, Leser. Das ist bei den Leuten auf dem Schreibtisch. Da müssen wir ganz viel Aufbauarbeit gar nicht mehr leisten, weil sie schon geleistet worden war vor vielen Jahren. Das Abo wird übernommen, das Produkt wird umbenannt und dramatisch verbessert.

Warum ist Springer in diesen Markt eingestiegen?
Aus zwei Gründen. Wir sind leidenschaftliche Verleger. Wir haben im Internet erfolgreiche nichtjournalistische Modelle etabliert, Rubrikenportale bspw. Aber wir haben tatsächlich den Ehrgeiz, ein führender digitaler Verlag zu sein. Das ist Grund eins und mit großer Begeisterung stellen wir uns dieser Herausforderung. Wir möchten und werden im Internet auf internationaler Skala eine der wichtigsten Verlage sein. Das ist heute schon vielfach gelungen, aber das ist unser proklamiertes Ziel. Der zweite Grund ist: Wir möchten ausdrücklich in den englischen Sprachraum hinein wachsen. Warum? Der deutsche Sprachraum, so groß wie er ist mit ungefähr 100 Millionen Deutsch sprechenden Menschen, hat ja doch seine Limitation. Der englische Sprachraum ist deutlich größer. In den USA leben 350 Mill. Menschen, das ist ein wesentlich größerer Markt. Und was ja alle Unternehmen im Internet feststellen, ist, dass wenn man den Startvorteil hat aus einem englischsprachigen Markt zu kommen, hat man eigentlich immer schon allen anderen was voraus, weil der Binnenmarkt so groß ist. So dass bei gleicher Anstrengung jedes Produkt automatisch viel besser läuft, als wenn man´s in kleineren Märkten wie Polen oder der Slowakei versucht. Das ist der Grund, warum wir in den englischen Sprachraum wollen. Hinzu kommt noch, dass Englisch in der demokratischen entwickelten Welt gesprochen wird. Wir haben keine besonders guten Erfahrungen gemacht in nichtdemokratischen Ländern. Wir verlegen z.B. auch Forbes in Russland. Da sind wir natürlich von allen politischen Entwicklungen immer mit betroffen, teilweise auch schwer betroffen. Englisch ist die Sprache der großen westlichen Demokratien und da gibt´s für uns noch viel zu gewinnen und deswegen werden wir und wollen wir einer der führenden auch englischsprachigen Verlage werden in einem absehbaren Zeitraum von vielleicht fünf oder zehn Jahren.

Wie schwer ist es, in den englischsprachigen Markt zu kommen? Wird da jeder genommen, der Geld hat? Oder welches sind andere Kriterien?
Im Augenblick sind journalistische Angebote im angelsächsischen Raum bei Investoren so populär, dass man fast schon von einer Überhitzung der Preise sprechen kann. Der in Deutschland verbreitete Pessimismus, im Internet investiert sowieso keiner in Journalismus und das kann sich alles gar nicht lohnen, das ist für die USA einfach unzutreffend. Das Gegenteil ist der Fall. Es wird dort intensiv in journalistische Angebote investiert und viele Investoren erhoffen sich, dadurch, dass immer mehr Werbegeld ins Internet kommt, ganz erhebliche Renditen und das führt dazu, dass diejenigen, die erfolgreiche Produkte gegründet haben, sich die Investoren heutzutage fast aussuchen können. Bei vielen Projekten, die erfolgreich sind, stehen Investoren Schlange und es reicht eben nicht, einfach nur Geld mitzubringen. Ganz im Gegenteil: Nur mit Geld kommen Sie nirgendwo rein.

(Auszug)

(Screenshot + Foto: © POLITICO; Jörg Wagner)

23. März 2015
von Vera Linß
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“Unsere Mission besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und zugänglich zu machen.”

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Wer:
* Richard Gingras, Google-News-Chef
* Vera Linß, Medienjournalistin
Was: Interview über die Zukunft der Qualitätsmedien im Netz
Wann: rec.: 23.03.2015
Wo: Berlin, Google Deutschland, Unter den Linden
20150404_gingras_richard_400a

Wie würden Sie das Ziel von Google News beschreiben? Ist es auch eine Art Verleger?
Nein, wir sind kein Verleger, auch wenn wir ganz offensichtlich Teil des Mediengeschäfts sind. Unsere Mission besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und zugänglich zu machen. Wenn die Nutzer nach etwas Speziellem suchen oder einfach nur wissen wollen, was los ist, dann wollen wir sie mit den besten Quellen und einer breiten Auswahl von Quellen versorgen. Das war von Anfang unser Ziel. Google News wurde nach Nine Eleven erfunden, als einer unserer Ingenieure eine Geschichte nachvollziehen wollte. Er wollte aber nicht nur lesen, was die Medien aus New York oder aus den USA darüber berichtet haben, sondern die Medien aus der ganzen Welt. Genau das kommt unserer Mission nahe: Menschen mit dem besten Wissen zu versorgen.

Grundlage Ihrer Arbeit sind Inhalte, die von anderen Menschen, die von den Medien produziert werden. Und wie wir wissen, befinden sich die Medien in einer Krise, was die Finanzierung von Qualitätsinhalten betrifft. Macht Ihnen das Sorge?
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Natürlich beschäftigt uns das. Der Wert unserer Arbeit bei Google ist abhängig von einem reichhaltigen Ökosystem an Informationen. Aber offen gesagt: Wir sehen auch enorme Innovationen in den Medien – als Folge der Veränderung des Ökosystems, in dem wir uns befinden. Und viele Innovationen sind sehr erfolgreich. In Paris zum Beispiel gibt es die Website „Mediapart“. Sie wurde von einem der ehemaligen Chefredakteure der Zeitung „Le Monde“ gegründet. Die Website konzentriert sich komplett auf investigativen Journalismus. Wenn man die Inhalte lesen will, muss man dafür bezahlen. „Mediapart“ ist profitabel und beschäftigt 35 Journalisten. Ohne Frage unterstützt das Ökosystem Qualitätsjournalismus. Die Herausforderung für viele Verleger besteht darin herauszufinden, welche Produkte sie schaffen können, die da hinein passen. Wenn ein Produkt im Printzeitalter funktioniert hat, gilt das nicht automatisch für das neue Ökosystem. Das ist ein ganz anderes.

Welche Geschäftsmodelle werden in der Zukunft erfolgreich sein?
Ich erwarte dass wir – wie heute schon – das ganze Spektrum haben werden: Angebote, die man abonnieren muss, die durch Werbung oder die karitativ finanziert sind. Es ist wichtig, immer wieder daran zu erinnern, dass viele journalistische Unternehmen in der Vergangenheit aus dem Wunsch heraus geschaffen wurden, Einfluss auszuüben. In den USA waren viele Zeitungen im Besitz reicher Familien. Zum einen, weil sie Einfluss haben wollten, zum anderen, weil sie der Gemeinschaft etwas zurückgeben wollten. Ich denke, das alles werden wir auch in Zukunft erleben. Und es wird Mischformen geben, Angebote, die sich aus verschiedenen Quellen finanzieren.
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In der Offline-Welt hatten die Zeitungen eine Paywall, man musste für die Zeitung bezahlen. Wie wichtig sind Paywalls heute? Wie wichtig sind Paywalls für den Journalismus?
Ich denke, das hängt von der Art der Arbeit ab, die man macht. Es hängt vom Wesen des Produktes ab und welches Ziel man erreichen will. Für mich steht außer Frage, dass Bezahlschranken eine Schlüsselrolle in diesem Ökosystem einnehmen werden. Aber: Voraussetzung ist, dass der Verleger einen einzigartigen Wert präsentiert, für den die Nutzer bereit sind zu zahlen. Und – wie schon gesagt – wir sehen viele gute Beispiele. Aber man kann nicht einfach sagen: Ich berichte über Fußball hier in Deutschland. Würde dafür jemand Geld ausgeben? Vielleicht. Aber wie wir wissen, gibt es im Internet sehr viele Statistiken und Berichte über Fußball in Deutschland. Die Frage ist: Wie findet man die einzigartige Position, für die ich bereit bin zu bezahlen, weil es etwas Besonderes ist. So funktioniert der Markt.

Sind Sie optimistisch?
Ich bin generell optimistisch, was die Zukunft des Journalismus betrifft. Weil er in einer offenen Umgebung existiert. Ich komme aus den Vereinigten Staaten. Wir haben diesen ersten Zusatzartikel zu unserer Verfassung, der die Freiheit der Presse garantiert. Für mich ist das Internet die Verkörperung der Pressefreiheit. Daran können heute mehr Menschen als je zuvor teilhaben. Es gibt keine Gatekeeper, die mich daran hindern, meine Meinung zu äußern. Das ist eine sehr machtvolle Sache. Wir haben völlig neue Möglichkeiten. Nehmen Sie den Datenjournalismus. Er hilft uns, die Welt um uns herum zu verstehen und als Journalisten die Behörden zur Verantwortung zu ziehen. Tatsächlich würde ich sagen: das Ökosystem für den Journalismus ist das reichhaltigste, das wir jemals in der Geschichte der Zivilisation hatten – ohne Frage.

Wenn wir in die Zukunft schauen: In zehn Jahren – wie wird Google News dann aussehen?
Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Wir werden neue, andere Wege finden, das zu tun, was wir jetzt tun. Die Menschen konsumieren Informationen auf sehr unterschiedliche Weise. Wir werden weiter daran arbeiten, dass wir in diesem Ökosystem Menschen dabei helfen, anregende Informationsquellen zu finden. Wir werden unseren Algorithmus weiter entwickeln, einfach weil sich das Ökosystem weiter entwickelt. Ich würde es nicht wagen, vorherzusagen, was in zehn Jahren ist. Außer, dass es wesentlich anders sein wird, als heute.

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(Fotos: © Jörg Wagner)

4. März 2015
von Vera Linß
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“Es geht darum, rechtliche Rahmenbedingungen für das digitale Verlagswirtschaften der Zukunft zu schaffen”

Christoph Keese; © 04.03.2015, Jörg Wagner

Christoph Keese

Wer:
* Christoph Keese, Executive Vice President der Axel Springer SE
* Vera Linß, Medienjournalistin
Was: Interview über die Zukunft des Leistungsschutzrechts für Presseverleger
Wann: rec.: 04.03.2015
Wo: Berlin, Springer-Hochhaus

Im Interview mit Christoph Keese

Im Interview mit Christoph Keese

Matthias Döpfner sagte, das Leistungsschutzrecht ist immer noch wichtig, trotzdem es ja gescheitert ist. Warum ist es immer noch wichtig?
Weil es nicht gescheitert ist. Sondern das Leistungsschutzrecht ist ein Gesetz, das jetzt in die rechtliche Auseinandersetzung geht. Das ist nach dem geltenden Recht ein vierstufiges Verfahren. Das beginnt mit der sog. Schiedsstelle des Patent- und Markenamtes, das ist die erste Instanz. Dann würde – wenn eine der beiden Parteien mit dem Spruch dort nicht einverstanden ist – das Landgericht folgen. Dann würde es in das OLG gehen. Das kann bis zum BGH gehen. Das ist ein vierstufiges Verfahren. Die erste Instanz findet jetzt statt. Das heißt, in diesem Frühjahr wird es die mündliche Verhandlung geben und der Vorsitzende der Schiedsstelle hat bereits bekannt gegeben, dass er in diesem Sommer einen Spruch fällen möchte. … Da werden ganz wichtige Grundssatzfragen erklärt. Es geht vor allem um die so genannte Anwendbarkeit und die Angemessenheit des Tarifs.

Stört Sie es, dass von einem Rohrkrepierer die Rede war in Bezug auf das Leistungsschutzrecht?
Mich stört es deswegen nicht, weil es einen Unterschied gibt in der Bewertung derjenigen, die sich wirklich mit der hochkomplexen Materie auskennen und denjenigen, die das nur an der Oberfläche angekratzt haben. Diejenigen, die sich in der Materie auskennen, wissen genau, was passiert. Nämlich ein sehr wichtiges Grundsatzverfahren, das jetzt im Augenblick läuft. Aber zugegeben, es ist schwierig, diesem Grundsatzverfahren zu folgen, weil die Materie so komplex ist. Und deswegen gehört es zu urheberrechtlichen Fragen immer dazu, dass diejenigen, die weniger davon verstehen, sich teilweise mit polemischen Äußerungen zu Wort melden. Die haben aber inhaltlich wenig Bedeutung.

Welche Zeitdimensionen haben Sie im Blick?
Es ist überhaupt nicht zu erwarten gewesen, dass das auf dem Gerichtswege ein leichter Gang wird. Wir halten es für notwendig und richtig, dieses Grundsatzverfahren jetzt zu führen. Hier geht es ja nicht nur um einen schnellen Euro, sondern hier geht es darum, rechtliche Rahmenbedingungen für das digitale Verlagswirtschaften der Zukunft zu schaffen. Es geht hier also, etwas pathetisch gesprochen, um alle Zukunft. Deswegen ist es auch aller Mühen der Edlen wert und deswegen unterziehen wir uns dem Verfahren. Das kann Jahre dauern, aber gerade deswegen ist es wichtig, dass man es führt.

(Auszug – wörtliches Transkript)

(Fotos: © Jörg Wagner)

21. September 2014
von Vera Linß
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“Sie wissen alles”

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Big Data ist eines der Topthemen in der Sachliteratur. Doch erst jetzt wendet sich erstmals eine Expertin für Künstliche Intelligenz mit einem Buch an eine breite Öffentlichkeit. Yvonne Hofstetter, die mit ihrem Unternehmen intelligente Software an militärische und zivile Auftraggeber liefert, gibt für den Laien verständliche Einblicke, wie selbstlernende Algorithmen funktionieren, erklärt, wie bedrohlich sie wirklich sind und weshalb die Politik versagt hat. In zehn Vorschlägen zeigt sie auf, wie dem profitablen Missbrauch von Daten entgegen gewirkt werden kann.

Wer:
* Yvonne Hofstetter, Unternehmerin, Autorin
* Vera Linß, Medienjournalistin
Was: Interview
Wann: rec.: 18.09.2014/ 18:10 Uhr, veröffentlicht in Ausschnitten
am 20.09.2014/18:48 Uhr im radioeins-Medienmagazin und im Inforadio (rbb) vom 21.09.2014, 10:44/18:44/23:45/01:45/03:45 Uhr
Wo: Berlin, Kulturkaufhaus Dussmann

Im Interview mit Yvonne Hofstetter

Im Interview mit Yvonne Hofstetter

Buchangaben:
Autorin: Yvonne Hofstetter
Titel: Sie wissen alles. Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen.
Verlag: C. Bertelsmann, München 2014,
Umfang: 352 Seiten
Preis: 19,99 Euro
Erscheinungstag: 15.09.2014
Vgl.:
* Verlagsseite

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(Video + Fotos: © Jörg Wagner)